„Wir werden von derselben Erde getragen“ – Ausstellung von Jakob Kirchmayr eröffnet

Eine sehenswerte Ausstellung erwartet Besucher:innen derzeit in der Städtischen Galerie Theodor von Hörmann in Imst. Der Tiroler Künstler Jakob Kirchmayr präsentiert eine Serie teils großformatiger Arbeiten, die sich zwischen persönlicher Erinnerung, intensiver Naturerfahrung und gesellschaftlicher Reflexion bewegen. Die Ausstellung trägt den Titel „Wir werden von derselben Erde getragen“ und ist noch bis 4. Juli 2026 zu sehen.


In der Städtischen Galerie Theodor von Hörmann in Imst ist derzeit eine Ausstellung mit Werken des Tiroler Künstlers Jakob Kirchmayr zu sehen. Die Schau wurde am 21. April im Rahmen einer gut besuchten Vernissage eröffnet.

Kulturreferentin GRin Barbara Hauser begrüßte zahlreiche Kunstinteressierte sowie Gäste aus nah und fern. Als Ehrengast konnte Jörg Gamroth, Marketingleiter der Raiffeisenbank Oberland‑Reutte, willkommen geheißen werden. Auch die Familie des Künstlers war zur Eröffnung anwesend: Vater Anton Christian Kirchmayr mit seiner Gattin Marlis, ein Bruder des Künstlers sowie zahlreiche Freunde von Jakob Kirchmayr nahmen an der Vernissage teil.

Kunst im Dialog mit Natur und Achtsamkeit

Der Titel der Ausstellung Wir werden von derselben Erde getragen verweist auf eine Gedichtzeile von Giuseppe Ungaretti und spiegelt die inhaltliche Ausrichtung der Schau wider. In seinen Ausführungen betonte der Künstler, dass die Menschheit zunehmend den Einklang mit der Natur verliere und Achtsamkeit im Alltag immer mehr in den Hintergrund trete.

Thematisch knüpfen die Arbeiten des Künstlers an grundlegende Fragen menschlicher Existenz an. In diesem Zusammenhang lässt sich auch der mythologische Bezug zu Prometheus lesen: Der Titan schenkte der Legende nach den Menschen das Feuer und ermöglichte damit eine soziale, kulturelle und technologische Entwicklung – jedoch nicht ohne weitreichende Folgen. Der Philosoph Peter Sloterdijk beschreibt in seinem Buch „Von der Gabe des Feuers zur globalen Brandstiftung“ die Ambivalenz dieses Geschenks und spricht von einer Dynamik, die sich „ins Unabsehbare steigert“. Auch die multiplen Krisen der Gegenwart lassen sich so als Folge dieser selbstläufigen Entwicklung deuten. „Die Wolken verdichten sich so sehr, dass sie den Bestand der Welt, wie Götter und Menschen sie bisher kannten, im Ganzen in Frage stellen“, schreibt Sloterdijk – eine Diagnose, die in Kirchmayrs Arbeiten eindrucksvoll nachhallt.

Laudatio und musikalische Umrahmung

Die Laudatio zur Ausstellung hielt Karin Pernegger, Leiterin des Kunstraums Schwaz. Nach der Rezitation des Ungaretti‑Gedichts, auf das sich der Ausstellungstitel bezieht, zeigte sie sich sichtlich gerührt und bemerkte, sie hätte angesichts der Werke am liebsten ganz still bleiben wollen.

Für die musikalische Umrahmung der Vernissage sorgte ein Ensemble der Landesmusikschule Imst unter der Leitung von Direktor Johannes Nagele. Die Organisation der Veranstaltung lag beim Kulturbüro der Stadt Imst mit Kathrin Deisenberger und Marlene Partl.

Monumentales Fastentuch

Mit seinem monumentalen, zwölf mal sechs Meter großen Werk „Spuren des Feuers“, ursprünglich als Fastentuch für die Michaelerkirche in Wien konzipiert, wird die Auseinandersetzung Jakob Kirchmayrs mit den apokalyptisch anmutenden Zuständen unserer Gegenwart deutlich. „All seinen Schmerz über Ungerechtigkeit und Zerstörung legte der Künstler in diese Arbeit und rieb in strömendem Regen Glut und Asche ins Gewebe“, schrieb Almuth Spiegler in der Zeitung Die Presse, als das Fastentuch 2024 erstmals in Wien zu sehen war. Kirchmayr fügte unlängst in einem Interview hinzu: „Als ich vor zwei Jahren die Idee zu diesem Werk hatte, wollte ich damit ein Gefühl für die Gegenwart ausdrücken. Betrachtet man die derzeitige weltpolitische Situation, war das Fastentuch wohl eher so etwas wie eine böse Vorahnung!

Wir leben in einer von Überkonsum geprägten, lauten und brutalen Welt voller Brandherde, in der die Zerstörung der Natur durch uns Menschen in beängstigendem Tempo vorangetrieben wird – Jakob Kirchmayrs Malerei stellt hier eine Gegenposition dar. Sie erzählt von Stille, von leisen Momenten in der Natur, von Erinnerungen – von einer Welt die wunderschön, aber auch verwundbar und zerbrechlich ist. Dabei rückt Kirchmayr eine andere Beziehung zur Erde ins Zentrum – eine, die auf Intimität, Erfahrung und Gemeinschaft basiert – in der die Erde als gemeinsamer Lebensraum wahrgenommen wird. Seine Kunst wird damit zu einer Form des Widerstands gegen die instrumentelle Logik, die die Erde als Ressource behandelt.

Ökologie, Existentialismus und Systemkritik

Jakob Kirchmayrs Werk vereint Malerei, Lyrik und Naturerfahrungen zu einer künstlerischen Praxis, die sich zwischen Ökologie, Existentialismus und Systemkritik bewegt. Dazu schrieb Silvie Aigner im Kunstmagazin PARNASS: "Malerei auf Papier, ebenso expressiv wie lyrisch. Malerei, die auf ganz besondere Weise berührt und uns die Ambivalenz unserer Gegenwart vor Augen führt - in der die Schönheit der Natur, ihre Zerstörung, Freundschaft und Krieg nebeneinander existieren.

Über den Künstler

Jakob Kirchmayr wurde 1975 in dritter Generation einer Tiroler Künstlerfamilie geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien, widmete er sich zunächst verstärkt dem Genre Buch und publizierte 19, teils preisgekrönte Publikationen, ehe er sich ganz der großformatigen Malerei zuwandte. Seither wurde sein Werk national, wie international in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Weitreichende öffentliche Aufmerksamkeit erlangte er zuletzt mit dem von ihm gestalteten Fastentuch „Spuren des Feuers“ – einem Werk, das weit über die Landesgrenzen hinaus Resonanz fand.

Öffnungszeiten

Städtische Galerie Theodor von Hörmann 

Jakob Kirchmayr – Wir werden von derselben Erde getragen

  • 24.04. – 04.07.2026
  • Do. – Sa., 14 – 18 Uhr, an Feiertagen geschlossen
  • Ausstellungser%c3%b6ffnung+%e2%80%9eWir+werden+von+derselben+Erde+getragen%e2%80%9c+in+der+H%c3%b6rmann-Galerie+in+Imst+(v.li.)%3a+K%c3%bcnstler+Jakob+Kirchmayr%2c+Kulturreferentin+Barbara+Hauser+und+J%c3%b6rg+Gamroth+(RBOR).
  • Laudatorin+Karin+Perneger%2c+K%c3%bcnstler+Jakob+Kirchmayr+mit+Eltern+Marlis+und+Anton+Christian+sowie+Kathrin+Deisenberger+(v.li.).
  • Begr%c3%bc%c3%9fe+bei+der+Vernissage+die+G%c3%a4ste%3a+Kulturreferentin+Barbara+Hauser.
  • Das+Ensemble+der+LMS+Imst+sorgte+f%c3%bcr+die+musikalische+Umrahmung.
  • Laudatorin+und+Kunstraum+Schwaz-Leiterin+Karin+Pernegger.
  • Kathrin+Deisenberger+(Kulturb%c3%bcro+Stadt+Imst)%2c+J%c3%b6rg+Gamroth+(Raiffeisenbank+Oberland-Reutte)+und+Kulturreferentin+Barbara+Hauser+(v.li.).
  • Die+Vernissage+in+der+St%c3%a4dtischen+Galerie+Theodor+von+H%c3%b6rmann+war+gut+besucht.
  • Schriftsteller+Reto+H%c3%a4nny+mit+dem+Vater+des+K%c3%bcnstlers+Anton+Christian+(re.).
  • Jakob+Kirchmayr+mit+seinen+Eltern+Marlis+und+Anton+Christian.
  • J%c3%b6rg+Gamroth%2c+Raiffeisenbank+Oberland-Reutte+mit+Kulturreferentin+Barbara+Hauser.
  • K%c3%bcnstlerin+Irmgard+Hofer-Wolf.
  • MG_1727
  • MG_1738
  • MG_1742
  • MG_1745
  • MG_1746
  • %3a+K%c3%bcnstlerinnen+Monika+K%c3%b6ck+und+Irmgard+Hofer-Wolf
  • MG_1750
  • MG_1763
  • Kulturreferentin+Barbara+Hauser+(li.).+mit+Laudatorin+und+Kunstraum+Schwaz-Leiterin+Karin+Pernegger.
  • Jakob+Kirchmayr+mit+seiner+Mutter+Marlis.
  • K%c3%bcnstlerin+Elisabeth+Eiter+mit+Anwalt+Andreas+Fink.
  • MG_1778
  • Galeristenpaar+Eva-Maria+Ulm+Raab+und+Horst+Raab.
  • MG_1783
  • MG_1786
  • MG_1789
  • MG_1794
  • MG_1803